Chiang Mai, die "Rose des Nordens", wie die Stadt auch oft
schwärmerisch genannt wird, ist das geographische und politische
Zentrum des Nordens. Chiang Mai ist die zweitgrösste Stadt
Thailands nach Bangkok und liegt in einem Tal an den Ufern des Ping Flusses.
Bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts hinein war Chiang
Mai ein relativ friedlicher und ruhiger, von Reisfeldern
umgebener Ort mit vielen stillen Seitengassen und traditionellen
Teakholzhäusern.
Heutzutage sind leider die meisten der schönen alten Häuser
Betonbauten gewichen und die Strassen sind voller Autos,
Motorräder und nicht zu vergessen Tuk-Tuks. Chiang Mai
hat sich aber trotz aller dieser Erscheinungen der modernen Zeit
doch einen eigenen Charme bewahren können, und auch heute noch
können Sie stille Eckchen und prächtige Teakholztempel mit
herrlichen Schnitzereien und goldenen Dächern und Chedis
entdecken.
Die Stadt ist nicht nur bei ausländischen Touristen, sondern
auch bei den Thailändern selbst sehr beliebt, die dort in den
Sommermonaten Zuflucht vor der schwülen Hitze in den südlicheren
Landesteilen suchen. Chiang Mai selbst und seine nähere Umgebung
bieten viele lohnenswerte Ausflugziele und die Stadt ist
darüberhinaus auch ein guter Ausgangspunkt für Flossfahrten auf
den Flüssen Nordthailands oder für Trekking-Touren in die Berge
nördlich von Chiang Mai.
Chiang Mai hat insgesamt rund 200 buddhistische Tempel, viele
davon liegen in der Altstadt. Das Zentrum der Stadt liegt etwas
ausserhalb der Stadtmauern zum Ufer des Maenam Ping hin und wird
von dem Fluss in einem Viereck eingeschlossen, das durch
zahlreiche Brücken überquert werden kann.
Geschichte
Chiang Mai war jahrhunderte lang die Hauptstadt von Lanna Thai -
dem "Reich der Millionen Reisfelder". König Mengrai musste vor
den mongolischen Soldaten Kublai Khans aus dem nördlich
gelegenen Chiang Rai nach Süden ausweichen. Er liess hier am
Fusse des Doi Suthep den Dschungel roden und 1296 den Grundstein
für die "neue Stadt" legen.
Das unabhängige
Königreich entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu
einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum und damit auch
zur Konkurrentin der siamesischen Königsstadt Ayutthaya. Immer
wieder kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den
beiden Reichen. Schliesslich machten die Burmesen ab Mitte des
16. Jh. Chiang Mai zu ihrem Vasallenstaat - bis zur Befreiung
durch König Taksin rund 220 Jahre später.
Sehenswürdigkeiten
Wat Phra Sing
Das religiöse
Zentrum Chiang Mais ist das Wat Phra Sing (tgl. ca. 8-17 Uhr)
aus dem Jahr 1345 in der Phra Sing Road, Verlängerung der
Ratchdamnoen Road. Beim Neujahrsfest im April wird der Tempel
zum Mittelpunkt der Wasserzeremonien, wenn die hier beheimatete
Buddhastatue Phra Sing (Sihing) mit Wasser "gebadet" wird.
Unklar ist, ob es
sich tatsächlich um die originale, fast 2000 Jahre alte Figur
handelt - es gibt immerhin drei Phra-Sing-Figuren in Thailand (eine im Nationalmuseum in
Bangkok, die andere in Nakhon Si Thammarat). Eine Nachbildung
ersetzt den 1922 gestohlenen Kopf der hochverehrten Figur.
Aufbewahrungsort des Phra Sing ist der kleine Viharn Lai Kam
links hinter dem Bot. Er ist mit seinen wertvollen
Holzschnitzarbeiten an Dachgiebel, Fenstern und Türen ein
klassisches Beispiel der Lanna Tempelbaukunst. Das Gebäude steht
auf einem Steinsockel und trägt ein dreiteiliges hölzernes Dach.
Im Inneren beeindrucken gut erhaltene Wandmalereien.
Wat Chiang
Man
Vom Wat Chiang Man
(tgl. 9-17 Uhr) an der Ratchaphakinai Road kann man systematisch
die Geschichte der Stadt erkunden. Dieser Tempel ist
wahrscheinlich 1296 entstanden und damit der älteste in Chiang
Mai (der steinerne Viharn rechts wurde erst in den 30er-Jahren
des 20. Jh. errichtet). Hier soll König Mengrai beim Bau der
Stadt residiert haben. Heute beherbergt der Tempel zwei berühmte
Buddhastatuen: den kleinen Kristallbuddha, der einer Königin des
Haripunchai-Reiches (7. Jh.) gehört haben soll und heute zu
Songkran, dem Neujahrsfest Mitte April, durch die Straßen
getragen wird, und die aus Marmor geformte Buddhafigur Phra Sila
(8. Jh.) Beide Statuen werden von den Thailändern sehr verehrt,
da ihnen die Fähigkeit des Regenmachens nachgesagt wird.
In der nahen Phra
Pokklao Road liegt das im 15. Jh. erbaute Wat Chedi Luang,
dessen markante Ruine schon von weitem den Weg weist: Vor rund
450 Jahren brachte ein Erdbeben die damals fast 90 m hohe Pagode
zum Einsturz. Mit dem Sockel ragt der stark restaurierte Schrein
noch heute etwa 60 m in den Himmel. Eine imposante Steintreppe
führt hinauf, an beiden Seiten flankiert von mythologischen
Himmelsschlangen mit Drachenköpfen (Nagas). Elefantenköpfe
zieren den Sockel. Der Viharn zeigt sich im typischen
Lanna-Stil, im Innern steht am Ende einer langen Säulengalerie
eine 9 m hohe bronzene Buddhastatue.
Night
Bazaar
Kein Tourist wird
auf einen Bummel durch den Night Bazaar (tgl. 18-23 Uhr)
im modernen Zentrum der Chan Klang Road verzichten. Auf dem
Markt ist zwar von orientalischer Ursprünglichkeit nicht mehr
viel zu spüren, aber Handeln gehört hier trotzdem zum
Pflichtprogramm. Auf zwei Etagen schieben sich die Touristen an
zahllosen Ständen und Händlern vorbei. Raubkopien aktueller CDs
und DVDs gehören ebenso zum Angebot wie kunstvoll Geschnitztes,
Antiquitäten, Seidenstoffe, Porzellan, Schmuck, modische
Kleidung, Webarbeiten und Trachten der Bergvölker, Geckos in
allen Farben und Grössen sowie jede Menge anderer
Schnickschnack.
Rund um Chiang Mai
Chiang Mai
National Museum
Eine sehr
interessante und abwechslungsreiche Ausstellung bietet das
nordwestlich am Super Highway (neben dem sehenswerten Wat Chet
Yot) gelegene Chiang Mai National Museum (Di- So 8.30-17 Uhr,
Feiertage geschlossen).
Hier sind
ausgezeichnete Buddhafiguren des 14.-17. Jh. zu sehen - von den Mon bis hin zur Sukhothai-Zeit -, aber
auch Kriegswaffen, Einrichtungs- und Alltagsgegenstände der
königlichen Herrscher Chiang Mais sowie der Bergvölker (1.
Stock).
Wat Phra That
Doi Suthep
Ein Ausflug von 15
km auf kurvenreicher Route führt Richtung Nordwesten auf den
Gipfel des Doi Suthep zum prächtigen Wat Phra That Doi Suthep,
dem wichtigsten Tempel im Norden Thailands. Oben angekommen,
müssen noch die 290 Stufen zwischen zwei riesigen vierköpfigen
Naga-Leibern erklommen werden - die Unsportlichen nehmen die
kleine Seilbahn.
Fast geblendet
steht der Besucher in 1000 m Höhe vor dem prächtigen Bau in
Gold: der zentrale, 20 m hohe Chedi und die grossen Ehrenschirme blitzen im Sonnenlicht - ein
Bild wie aus einem orientalischen Märchen. Reich geschmückte und
überdachte Altäre umgeben den Tempelturm, auf dessen Spitze ein
kleiner Ehrenschirm prangt. In den Galeriegängen sind zahlreiche
Buddhastatuen versammelt, an den Wänden illustrieren Malereien
die bekannten Begebenheiten aus dem Leben Buddhas. Eine uralte
Legende rankt sich um diesen Tempel: Die Herrscher schickten
einen Elefanten mit einer Reliquie auf dem Rücken los, um einen
angemessenen Ort für das Heiligtum zu finden. Dort, wo der
Elefant sich schliesslich zur Ruhe legte und starb, wurde 1383
ein Chedi über der Reliquie erbaut.